Hafen Diergardt-Mevissen

 

 

Der Kohlenhafen der Gewerkschaft Mevissen (km 778,1) gehört zu den linksrheinischen Privathäfen im Bereich der Duisburger Reede und diente ausschließlich dem Versand der eigenen Kohle. Die Kohle wurde von den Rheinhausener Schächten in Spezialkübelwagen angefahren, die auf zwei parallelen Abstellgleisen für die Verladung bereitgestellt wurden. Die Verladestelle entstand 1913 und wurde 1928 bis 1930 umgebaut. Das Hafenbecken, das heute von der Fa. Nolden als Reparaturwerft genutzt wird, befindet sich im Hang des Essenberger Ufers, wo man eine Einbuchtung durch ein Leitwerk gegen den Strom abgetrennt hatte. Die 200m lange, hochwassersichere Kaimauer wurde als Senkbrunnengründung mit Gewölben angelegt, die auf Bergsenkungsschäden berechnet wurde. Zwei elektrische Portaldrehkrane - wovon 1 Wippkran - von je 11t Tragkraft mit einer Ausladung von 27m bzw. 21 m leisteten 3500t pro Tag. Diese Anlagen wurden bald nachdem die Förderung in den sechziger Jahren eingestellt worden war, zusammen mit den Tagesanlagen der Zechen abgebaut, so daß heute nur noch die Kaimauer mit den Gewölbebögen stehengeblieben ist.

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Nachdem Franz Haniel 1851 eine Konzession zur Ausbeutung eines Felds von rd.90m2 auf dem linken Rheinufer erfolgreich beantragt hatte und wegen des Umfangs Kritik in den betreffenden Gemeinden laut wurde, traten, von Haniels Unternehmen ermutigt, in unmittelbarer Nachbarschaft Konkurrenten auf den Plan. Eine vierköpfige Arbeitsgemeinschaft linksrheinischer Unternehmer mit dem Viersener Kommerzienrat Friedrich Diergardt und dem Präsidenten der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft in Köln, Gustav Mevissen wurde in einer Tiefe von 80m fündig und erhielt am 16.1.1857 vom Königl.Preußischen Bergamt die Konzession über das Feld Diergardt in den in Artikel 2 des Vertrags festgelegten Grenzen:

"Gegen Norden: von dem Puncte C, dem Ausflusse des Baches Benke in den Rhein, eine gerade Linie bis zu dem Puncte D, wo die nördliche Verlängerung der über die Rumeler Windmühle und den Bodberger Kirchturm gezogene gerade Linie den Kendelgraben im Schwafheimer Bruche trifft.
Gegen Westen: von dem Puncte D eine gerade Linie über die Rumeler Windmühle und die Kirchturmspitze von Bodberg bis an das linke Rheinufer Punct L.
Gegen Süden und Osten: von dem Puncte L das linke Rheinufer entlang bis zum Anfangspunkte C.
Überall, wo es für nöthig erachtet wird, sollen in einer Frist von sechs Monaten, auf Kosten der Concessionairs, unter Aufsicht des Königlichen Bergamts, dauerhafte und kenntlich Lochsteine gesetzt werden."

Diergardt I

Diergardt I

Obwohl die Gewerkschaften Rheinpreussen und Diergardt-Mevissen durch ihre Standorte vergleichbare geologische und bergrechtliche Anfangsvoraussetzungen vorfanden, verlief die weitere Entwicklung bemerkenswert unterschiedlich: 

Die Exploration gestaltete sich zunächst einfacher als bei Rheinpreussen, wo mehrfache vergebliche Bohrversuche schon die Probleme der Teufe vorwegzunehmen schienen. Zog sich das Abteufen von Rheinpreussen I/II über 25 Jahre hin, so ging bei Diergardt das ganze 19. Jahrhundert und das erste Jahrzehnt des zwanzigsten ins Land, bevor, nach einer Vielzahl eigentumsrechtlicher Transaktionen, 1912 die erste Kohle zutage gefördert wurde.  

1874 entschließen sich die Diergardt-Erben gemeinsam mit Alfred Krupp, der einen Anteil übernommen hatte, die Gemeinschaft aufzulösen und das Konzessionsgebiet in drei gleiche Teile von je ca.10km2 zu teilen: 

  • das nördliche, bei Essenberg nach Norden an Rheinpreussen, nach Osten an den Rhein grenzende, unmittelbar hinter dem Hafen liegende Feld 'Diergardt' Teil übernimmt der Freiherr Friedrich Heinrich von Diergardt, dessen Erben das Feld 1909 an die 'Sozietät Diergardt' verkaufen;
  • das mittlere Feld 'Wilhelmine Mevissen' fällt an Königs und Mevissen bzw. deren Erben (1903);
  • das südliche Feld 'Fritz' beansprucht Friedrich Alfred Krupp, der es 1924 der Gewerkschaft 'Wilhelmine Mevissen' übereignet.

1927 gehen die drei Teile mitsamt Erweiterungen unter den Namen Diergardt-Mevissen I, III und IV an die Gewerkschaft 'Diergardt-Mevissen', die sie im gleichen Jahr mit den rechtsrheinischen Feldern Diergardt-Mevissen II  - eine Konsolidation der alten rechtsrheinischen Konzessionen 'Java', 'König von Preussen', 'Marie', 'Sophia' und 'Viktoria II' von 1911 - zusammenführt, wodurch die wenig ertragreichen rechtsrheinischen Felder im Bereich Ruhrort mit den linksrheinischen Rheinhausener Feldern verbunden und vom linken Ufer aus abgebaut werden können.

Während bei Rheinpreussen aufgrund der ausgedehnten Konzession wenig Konsolidierungsbedarf bestand, gewann die Gewerkschaft Diergardt-Mevissen - zuletzt mit dem Zuschlag von Diergardt-Mevissen V (Reste der Liquidation der rechtsrheinischen Felder 'Albion', 'Göcke', 'Richard', 'Aurora' bzw. den Gruben 'Medio-Rhein', 'Max', 'Übereinkunft' und 'Pauline') - ihre größte Ausdehnung im Jahr 1932 erst durch den rheinübergreifenden Zusammenschluß .

Im Unterschied zu Rheinpreussen erfreute sich Diergardt-Mevissen keiner Absatzgarantien als Hüttenzeche. Während erstere nach den Anlaufschwierigkeiten im 19.Jahrhundert im zwanzigsten stets an der Spitze der Ruhrkohlenzechen rangiert, befindet sich Diergardt-Mevissen mit einer Förderung von rd. 800.000 erst nach dem 2.Weltkrieg am Ende der Rangliste der mittleren Zechen. 1962 zeichnet sich mit der Schließung von Schacht III schon das Ende der Gewerkschaft ab, nachdem sie 1938 der Interessengemeinschaft von Matthias Stinnes und dem Mülheimer Bergwerksverein beigetreten und 1956 von der Matthias-Stinnes-Bergbau AG übernommen worden war und zuletzt nur noch rund 300.000t erbracht hatte: Fünf Jahre später, am 1.11.1967, meldet die Rheinische Post in ihrem Lokalteil, daß die Kohleförderung mit dem letzten Wagen am 31.10. aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde und der Übertagebetrieb von Kraftwerk, Brikettfabrik, Werkstätten, Eisenbahn und Hafen nur noch auf Abruf weitergeführt würde.

Wilhelmine Mevissen I/IIWilhelmine Mevissen I/II